Er kam in Gefangenschaft des türkischen Militärs, das ihn verhörte. Später beging er Fahnenflucht und kam 2002 wieder nach Deutschland, fand Arbeit, lebte in Bad Nauheim. Sein Asylantrag wurde aber abgelehnt. Weitere Schläge kamen hinzu: Der Versuch, eine Familie zu gründen, scheiterte, 2004 war er schon einmal in psychiatrischer Behandlung in Friedberg. „Schon damals lautete der Verdacht auf schizophrene Psychose“, sagt Blericq.
Frankfurt. Die Angst vor dem Gefängnis in der Türkei war immer da. "Er hat gesagt, lebend kriegen sie mich nicht ausgewiesen", sagt Johannes Hartmann vom Verein Internationales Zentrum Friedberg. Mustafa Alcali, der vom türkischen Militär desertiert war, machte die Drohung wahr: Am 27. Juni nahm sich der 30-Jährige in der Abschiebehaft in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Frankfurt das Leben. "Ich verstehe nicht, dass ein Arzt behaupten konnte, er sei völlig normal und reisefähig", sagt Hartmann. Mustafa Alcali sei in den vergangenen Jahren mehrfach in psychiatrischer Behandlung gewesen. Zuletzt zwangsweise in der Psychiatrie Hanau, weil er sich auf einer Straße mit Benzin übergossen und versucht hatte, sich und andere anzuzünden. "Wie leichtfertig unser Staat mit Menschenleben umgeht, ist völlig unvorstellbar."
"Hohes Risiko bei Abschiebung"
Schizophrene Psychose lautete die Diagnose des behandelnden Arztes in Hanau. "Eine zwangsweise Abschiebung ist verbunden mit dem hohen Risiko einer akuten Verschlechterung seiner Erkrankung." Und die Suizid-Gefahr würde steigen. Einen Monat lang wurde Alcali in der Psychiatrie behandelt, dann in Sicherungshaft nach Kassel geschickt. Ein dort für die JVA tätiger Arzt hielt Alcali für völlig gesund: "Ich betrachte die Aussagen und das Verhalten des Patienten als Ausdruck einer nachvollziehbaren Belastungsreaktion, also ohne Krankheitswert." Der Abschiebung Alcalis stünde nichts entgegen, schrieb er in dem Bericht. Das Landgericht Hanau ordnete dann die Abschiebung an.